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aus unserem Heimatkreis
 
Bischof Neumann

Bischof Neumann

Bischof Johann Nepomuk Neumann –
geboren in Prachatitz, Bischof von Philadelphia

Er wurde am 28.3.1811 als 4. Kind des aus Obernburg/Main zugezogenen Strumpfwirkers Johann Philipp Neumann und dessen Frau Agnes, geb. Lebisch geboren.

Nach Besuch der Stadtschule in Prachatitz und dem Piaristen-Gymnasium in Budweis, das er 1831 abschloss, kam er auf das dortige Priesterseminar und 1833 auf das erzbischöfliche Seminar in Prag.

Am 8.2.1836 verlässt Johann. N. Neumann Prachatitz und macht sich auf die beschwerliche Reise nach Amerika. Bald nach der Ankunft wird er am 25.6. in New York zum Priester geweiht und arbeitet als Seelsorger im Gebiet des Niagara. Er tritt in den Redemptoristen-Orden ein und erhält am 28.3.1852 die Weihe zum Bischof von Philadelphia. Den äußerst bescheidenen Lebenswandel behält er auch nach der Bischofsweihe bei. Sein Hauptanliegen war der Ausbau des katholischen Schulwesens. Anfang Februar 1855 besucht er zum letzten Mal seinen Geburtsort Prachatitz. Am 5. Januar 1860 ereilt ihn der Tod mitten auf der Straße. „Ein solcher Bischof konnte nicht anders sterben als unterwegs“, kommentierte ein Amtskollege den Tod des erst 48jährigen.

Am 13.10.1963 wird Johann Nepomuk Neumann durch Papst Paul VI. selig- und am 19.6.1977 heilig gesprochen.
 

Rosa Tahedl

Rosa Tahedl
 

Rosa Tahedl –
Die Stimme unserer Böhmerwaldheimat

Rosa Tahedl wurde am 10. August 1917 als Tochter eines Eisenbahners im Holzhauerdorf Guthausen geboren und wäre 2007 90 Jahre alt geworden.

Ihre Ausbildung als Lehrerin beendete sie mit Auszeichnung an der Deutschen Lehrerbildungsanstalt in Budweis. Wie viele andere hatte sie vorerst keine großen Aussichten auf eine Anstellung, die damals vielen deutschen Lehrern in der Tschechoslowakei verwehrt blieb.

Als Hospitantin, Praktikantin und Hauslehrerin musste sie die Zeit der Arbeitslosigkeit überbrücken. Erst 1938, mit Angliederung des Sudetenlandes an Deutschland wurde ihr ein fester Anstellungsposten zugewiesen.

Von 1941 bis Kriegsende war sie an der Lehrerbildungsanstalt Prachatitz als Ausbildungslehrerin tätig. Für die begeisterte Lehrerin folgten nach Ende des Krieges 18 Jahre Fronarbeit als Waldarbeiterin unter einem teilweise menschenverachtendem Regime.

Als die anderen ihrer Dorfgemeinschaft gehen mussten, hielt man sie noch zurück. Aus einer kurzweiligen Verzögerung, an die sie glaubte, wurden letztendlich 18 Jahre Fronarbeit. Aus der Lehrerin wurde eine Waldarbeiterin, die erlebte, was es heißt, im kommunistischen Regime ganz unten zu sein und ständig die Stiefel der Oberen spüren zu müssen. Vieles davon hat sie sich später in zahlreichen Erzählungen und in ihren Büchern "von der Seele geschrieben". Nie hat sie in ihrer Rückschau gesagt, dass sie diese Jahre als verloren werte. Sie fand vielmehr ihr Lebensmotto, dem sie all die Zeit über treu blieb: "Das Leben ebnet ein, aber man muss sich in dieser Ebene einen Stammplatz suchen."

Nach einer fast zwanzigjährigen Pause nahm sie, nachdem ihr, zusammen mit ihrem Vater, 1964 die Ausreise genehmigt war, ihre Lehrtätigkeit an der Volksschule Runding im Landkreis Cham, wieder auf, wo sie 1980 als Konrektorin in den Ruhestand ging.

Und dieser "Ruhestand" schuf nun Platz für das Schreiben. Neben dem Reimen, das Rosa Tahedl schon immer reizte, wagte sie sich jetzt auch an die Niederschrift der Dorfgeschichte ihres Geburtsortes Guthausen in dem Buch "Sternreischtn – Ein Lichtbogen über einem Böhmerwalddorf". Es folgten "Abenteuer unter dem Roten Stern", in dem die Autorin ihr 18jähriges Waldarbeitleben unter dem kommunistischen Regime schildert oder das Buch "Wo die Steine reden", Skizzen über ein Leben in der Tschechoslowakei über nationale Gegensätze, Entwurzelung nach dem Krieg, Kerkerhaft und Zwangsarbeit, die ein Hirte unter Steinen vergräbt, die aber nur zu einem einzigen Menschen reden. Unentwegt hat sie noch an dem Buch "Die Mali" gearbeitet, in dem sie die Lebensgeschichte ihrer Mutter personifiziert.

"Ich hinterlasse zwar keine Kinder, dafür aber meine Bücher", so hat sie oft auch den Nachlass ihrer schriftstellerischen Arbeit bewertet.

Rosa Tahedl zog sich aber nicht als Einzelgängerin an den Schreibtisch zurück. Sie übernahm für ihre Landsleute viele Aufgaben in verschiedenen Gremien auf Landesebene, gehörte zur Gruppe der Initiatoren des Nachbaues der Tussetkapelle in Philippsreut, der Wiederbelebung der Wallfahrt im Tussetwald, war Gemeindebetreuerin ihrer Heimatgemeinde und engagierte sich auch in mehreren Gruppen ihrer Wahlheimat Runding. Nicht ausgeblieben sind kommunale Auszeichnungen und auch die Verleihung der Stifter-Medaille, über die sie sich besonders gefreut hat.

Am 14. Juni 2006 standen viele Landsleute und auch Einheimische am Grab von Rosa Tahedl, die in ihrem Wahlheimatort Runding voll integriert war. Sie trauerten um eine begnadete Schriftstellerin des Böhmerwaldes.
 

Johann Peter

Johann Peter
 

Johann Peter – Böhmerwalddichter –
Der „Rosegger des Böhmerwaldes“

Im höchstgelegenen Ort des Böhmerwaldes, in Buchwald (1180 m) in unserem Heimatkreis Prachatitz, erblickte Johann Peter am 23. Februar 1858 das Licht der Welt.

Er war der Sproß eines alten und hoch angesehenen Erbrichtergeschlechtes, der "Richterbub" aus Buchwald, dort wo in der Nähe die Moldau entspringt.

Sein Großvater betrieb einen schwungvollen Handel mit Resonanzbodenholz und kam bei seinen Geschäften bis nach Wien. Im Richterhaus gab es bereits eine kleine Bücherei, eine Musikinstrumentensammlung, und im Wohnzimmer stand ein Klavier.

Damit waren bereits vom Elternhaus her gute Voraussetzungen geschaffen für einen schulischen Erfolg. Nach der Volksschule in Buchwald wechselte er auf die Realschule in Bergreichenstein und nach deren erfolgreichem Abschluss auf die Lehrerbildungsanstalt in Budweis. Dort war der Dichter Franz Herold einer seiner Lehrer. Als Lehrer wirkte Johann Peter in Budweis, als Schulleiter in Großmeiselsdorf N.Ö., dann in Prachatitz und ab 1903 in Haida.

Zuletzt wirkte er als Oberlehrer in Böhmisch-Leipa. Nach seiner Pensionierung kehrte er in die Heimat zurück und lebte mit seiner Gattin bis zu seinem Tod im Haus "Abendfrieden", welches ihm der Verleger Rupert Steinbrener in Winterberg erbaut hatte.

Johann Peter entwickelte bald die Begabung, oft unbeachtete Selbstverständlichkeiten der Böhmerwaldheimat in Erzählungen einfließen zu lassen. Sein Fühlen und Denken war zum weitaus größten Teil den heimischen Wäldern gewidmet. Er hat den leisesten Pulsschlag der Bewohner erlauscht und brachte Reichhaltiges mit künstlerischem Feingefühl zu Papier.

Er war der Kleinmaler des Böhmerwaldes und weist insofern Ähnlichkeiten mit dem großen Adalbert Stifter auf. Auch einige wunderhübsche Gedichte stammen aus seiner Feder. Johann Peter war dem Steirer Peter Rosegger sehr artverwandt und mit diesem auch befreundet.

Man nannte Johann Peter nicht von ungefähr den "Rosegger des Böhmerwaldes". 1897 kehrte er in den Böhmerwald zurück, wo er 1899 die Monatsschrift "Der Böhmerwald" gründete, die er bis 1907 herausgab.

Johann Peter starb am 14. Februar 1935 in Winterberg.

Werke: Insgesamt 23 Bände.

Sein bestes Buch ist "Der Richterbub".
Weitere Werke sind: "Es war im Böhmerwald", "Charakter- und Sittenbilder aus dem Böhmerwald", "Junges Blut", "Wildfarren", "Volksedelinge", "Helden aus dem Volk", "Im deutschen Urwald", "Der Schelmenpeter", "Der Poet im Dorfschulhaus" a.a.m.

Ehrungen: Am Geburtshaus in Buchwald und am Wohnhaus in Haida wurden noch zu seinen Lebzeiten Gedenktafeln abgebracht. Er erhielt zahlreiche Kunststipendien und Ehrensolde, u.a. auch von der Schillerstiftung in Weimar.
 

Hilda Bergmann  

Hilda Bergmann

Am 9. November 1878 wurde Hilda Bergmann als älteste Tochter des Bezirkschulinspektors Eduard Bergmann und dessen Frau Emma, geb. Fuchs geboren.

Nach Besuch von Volks- und Bürgerschule in Prachatitz beginnt sie 1894 eine Ausbildung als Volksschullehrerin, die sie 1898 an der Zivil-Mädchen-Pensionsschule in Wien abschließt; die Familie war 1897 nach Wien umgezogen.

Bis 1908 arbeitet Hilda an verschiedenen Volksschulen Wien, gibt aber nach der Heirat mit Alfred Kohner ihren Beruf auf. 1925 erscheint ihr erster Gedichtband „Die heiligen Reiher“, dem 1933 „Die stummen Dinge“ und 1936 „Zünd Lichter an“ folgen.

Mit dem Schweizer Maler Ernst Kreidolf zusammen veröffentlicht sie 1935 „Die Himmelreichwiese“, eine Sammlung von Blumenlegenden. Einen Namen macht sie sich auch Märchen und Geschichten für Kinder. Nach „Wichtelmännchen und anderen kleinen Leuten“ und „Vom Glöckchen Bim und andere Geschichten“ erhält sie für „Märchen aus Wiese und Wald“ beim Jugendbuch-Preisausschreiben des Bundes der Deutschen den ersten Preis.

Weil Hilda Bergmanns Mann jüdischer Abstammung ist, emigriert das Paar im März 1938 nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland nach Astorp in Schweden. Sie lernt schnell schwedisch und übersetzt das Buch „Vogel ohne Schwingen“ von Jeanna Oterdahl ins Deutsche. Dieses Buch erscheint auch nach dem II. Weltkrieg in Deutschland.

Am 22.11.1947 stirbt Hilda Bergmann.

Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof in Astorp/Björnekulla.
 

Otto Herbert Hajek

Otto Herbert Hajek
 

Otto Herbert Hajek – Künstler –
geboren in Kaltenbach

Er wurde am 27. Juni 1927 als Sohn des Bauern Wendelin Hajek und dessen Frau Anna, geb. Matejka geboren.

In den Jahren 1939 – 45 besuchte er das Gymnasium in Prachatitz und legte 1947 in Erlangen das Abitur ab. An der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart studierte er Bildhauerkunst.

Otto H. Hajek wurde zu einem weltbekannten Künstler und zu einem Organisator des Kulturlebens. Seine Werke stehen in vielen Weltstädten von Moskau bis Adelaide in Australien.

Im Jahre 1978 erhielt Hajek den Titel Professor und im selben Jahr wurde ihm die Ehrenpromotion der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen verliehen.

1982 wurde er Vorsitzender des Adalbert-Stifter-Vereins in München, 1987 erhielt er die Adalbert-Stifter-Medaille und die Stadt Prachatitz verlieh ihm 1998 die Ehrenbürgerwürde.

Anlässlich des 74. Geburtstags des Künstlers wurde am 27. Juni 2001 das „Kulturzentrum O.H. Hajek in Prachatitz festlich eröffnet. Hierfür stiftete er eine repräsentative Werkauswahl von rund 100 Exponaten, die nun in einer Dauerausstellung im sog. Boskowski-Haus Nr. 184 am Großen Marktplatz gezeigt werden.

Professor Otto Herbert Hajek starb am 29. Mai 2005 in Stuttgart
 

Andreas Hartauer

Andreas Hartauer
 

Andreas Hartauer
Glasmacher, Dichter und Komponist des Liedes
„Tief drin im Böhmerwald“

Geboren am 28. November 1839 auf der Stachauerhütte bei Winterberg – gestorben am 18. Januar 1915 in St. Pölten N.Ö.

Das Lied „Tief drin im Böhmerwald“ zählt zu den schönsten deutschen Volksliedern.

Von seinem Schöpfer wußte man lange nichts und erst durch eine 1931 erschienene Schrift Dr. Rudolf Kubitscheks wurde bekannt, daß Text und Melodie des Liedes auf den Glasmacher Andreas Hartauer zurückgehen.

Er dichtete es anfangs der siebziger Jahre im 19. Jahrhundert in Johannesdorf bei Bürgstein in Nordböhmen, wo er damals gerade berufstätig war.

Am 25. Juli 1937 wurde am Kreuzwaldl in Eleonorenhain das Böhmerwaldlieddenkmal und am 14. Mai 1961 am Sterbehaus Hartauers in St. Pölten eine Gedenktafel enthüllt.

Ebenso sind in Österreich mehrere Gassen und Straßen nach ihm benannt.

„Dort tief im Böhmerwald, dort ist mein Heimatort, es ist schon lange her, daß ich von dort bin fort, doch die Erinnerung bleibt mir, das ist gewiss, daß ich den Böhmerwald gar nie vergiss.“
 

Hans Schreiber

Hans Schreiber
 

Hans Schreiber – Moorforscher –
geboren in Wallern

Er wurde am 25.12.1859 in Wallern geboren und besuchte das Realgymnasium in Prachatitz und die Oberrealschule in Budweis, die er mit der Matura abschloss.

Seine Studien der Physik, der Botanik und der Geologie führten ihn an die Deutsche Technische Hochschule in Prag, sowie die Universitäten Prag und Wien.

Zwei Jahre lang wirkte er als Lehrer an einer Oberrealschule in Wien, danach erlangte er die Lehrbefähigung an der Hochschule für Bodenkultur in Wien über Witterungskunde, Chemie und Technologie.

In Bremen erfuhr er eine Ausbildung in Moorkunde.

Von 1895 bis 1922 war er Direktor an der landwirtschaftlichen Winterschule in Staab, 1899 gründete er die Moorversuchsstation in Sebastiansberg, wo er Lehrgänge für Moorkunde abhielt. Unvergängliches leistete Schreiber in der Moorkultur und in der Torfwirtschaft; zum Teil mit dem Fahrrad erkundete er in ganz Europa bis hinauf nach Schweden, Norwegen und Finnland über 1000 Moore.

1900 gründete er in Salzburg den Deutsch-Österreichischen Moorverein und gab die „Deutsch-Österreichische Moorzeitschrift“ heraus. Hans Schreiber galt als einer der bedeutendsten Kenner der europäischen Torfmoore.

Sein zweites Betätigungsfeld sah er nach dem 1. Weltkrieg, als er den „Deutschen Verein für Volkskunde und Volksbildung“ gründete.

Er sammelte alle Bücher über den Böhmerwald und die Böhmerwäldler.

Schreiber verfasste Zusammenstellungen über die Siedlungsgeschichte des Böhmerwaldes und der Ortsnamen.

Zwischen 1923 und 1928 gab er den „Wäldlerkalender“ heraus, der sich mit der Heimatkunde des Böhmerwaldes beschäftigte.

In St. Margaretenbad bei Prachatitz betrieb er eine Böhmerwäldler Volkshochschule.

Er war auch ein geistiger Vater des Böhmerwaldmuseums in Oberplan und widmete ihm seine wissenschaftlichen Sammlungen. Direktor Hans Schreiber starb am 8.1.1936 in Krummau.